MANUFAKTUR

Der Unterschied zwischen teuer und wertvoll

Budapest, einst Welthauptstadt der Schuhmacherkunst, ist noch heute Heimat der vielleicht besten europäischen Schuhmacher. In einer der ältesten Manufakturen liegt die Fertigung der Schuhe von Heinrich Dinkelacker in den Händen von etwa 25 versierten Meistern ihres Faches. Ohne laufende Fließbänder oder der Hast von Akkordzwängen, kreieren sie hier Schuhträume in einer Art und Weise wie man es im 21. Jahrhundert kaum noch erlebt.

Jeder dieser Experten ist spezialisiert auf zwei bis drei Arbeitsgänge, die er mit besonderem Geschick beherrscht. Pro Tag und Mitarbeiter entsteht so ein Paar Premiumschuhe, das am Ende rund 300 Arbeitsschritte durchlaufen hat – vom Zuschnitt bis zum Finish in höchster handwerklicher Perfektion.

Der Leisten – Das Herzstück eines guten Schuhs

Die Passform eines guten Schuhs hängt zum größten Teil vom Leisten ab, über den er „gezogen“ wurde. So wichtig der Leisten auch ist, er selbst wird gar nicht zum Teil des Schuhs. Kurz vor der endgültigen Fertigstellung wird er entfernt um einem weiteren Paar als Formgeber zu dienen. In der industriellen Schuhfertigung bleibt der Schuh dabei lediglich 45 Minuten auf dem Leisten; in der Heinrich-Dinkelacker-Manufaktur geben wir ihm dafür bis zu sechs Tage Zeit. Das Ergebnis ist nicht weniger als die höchste Passformtreue, die ein Schuhliebhaber von einem Schuh erwarten kann.

So unterschiedlich wie die Menschen, so mannigfaltig sind auch ihre Füße. Um jedem Fuß ungeachtet der unterschiedlichen Maße und Formen an Ballen, Spann, Rist und Ferse perfekten Halt und Tragekomfort zu bieten, benötigt man also eine Vielfalt von Leisten. Bei Dinkelacker kamen so bisher ungefähr 15 verschiedene Leistenformen zusammen. Von der klassischen Budapester Leistenform „Rio“, der seit über 60 Jahren gefertigt wird, bis hin zum modernen „Luzern“-Leisten, der den heutigen eher schmalen Schnitten entspricht.

Bestes Leder für feinstes Schuhwerk

Nur beste Lederqualität von den ersten Adressen unter den Traditionsgerbereien rund um den Globus genügt für die hochklassige Schuhfertigung in der Heinrich-Dinkelacker-Schuhmanufaktur: Horween, Weinheimer, Tanneries du Puy, Moretti & Russo di Casandrino und Rendenbach. Nach der sorgfältigen Prüfung der Oberleder schneidet der Schuhmacher die einzelnen Schaftteile mithilfe eines speziellen Zuschneidemessers von Hand aus dem Obermaterial heraus und zwickt den Schaft von Hand über den Leisten.

Das Einstechen der Naht von Hand

Die Naht, mit der Schaft, Rahmen und Brandsohle verbunden werden, ist von entscheidender Bedeutung für die Haltbarkeit eines Schuhs. Deshalb wird sie bei Dinkelacker in alter Schuhmachertradition direkt von Hand „eingestochen“. Besonders stolz sind wir dabei auf den handgenähten Zopfrahmen, bei dem die Schuhmacher zwischen jedem Stich noch zwei Lederbänder einflechten. Ein handwerklicher Luxus, der viel Expertise erfordert und den sich kaum noch ein Schuhproduzent leistet.

Rahmen- oder Zwiegenäht: zwei Macharten, eine Qualität

Bei den traditionellen handwerklichen Macharten unterscheidet der Schuhexperte grundsätzlich zwischen der rahmengenähten und der zwiegenähten Verbindungsart von Schaft und Boden.

Ein schlanker, eleganter Absatzaufbau charakterisiert die Modelle mit rahmengenähtem Boden. Bei dieser Machart ist die Absatzfront innen bis außen eingestochen und die Ferse wird genagelt. Markant und sportiv kommen hingegen die Modelle in zwiegenähter Fertigung daher. Rund um den Schuh verläuft bei diesen Böden die Einstechnaht. Zu den Unterarten dieser Herstellungsweise zählen auch der dreifach genähte Boden und der Zopfrahmen mit eingeflochtenen Lederbändern oder der Flechtrahmen mit zwei Bändern aus Flechtgarn zwischen jedem Stich der Einstech- und der Doppelnaht. In Tragekomfort und Langlebigkeit nehmen sich beide Macharten letztlich nichts.

Tragende Bedeutung: Die Sohle

Absatz und Sohle eines Dinkelacker-Herrenschuhs werden aus grubengegerbtem Leder aufgebaut. Zu den exklusiven Anbietern von hochwertigem und extrem haltbarem Sohlenleder gehört die Altgrubengerberei Rendenbach aus Trier. Das wohl behütete Geheimnis dieser Gerbertradition liegt nicht nur im langwierigen Gerbprozess, sondern auch in der besonderen Behandlung der Häute in dieser Zeit.

Die Altgrubengerbung bedarf fundierter Erfahrung, einer guten Nase und wacher Augen. „Gar meisterlich hat er gegerbt“, so sprachen die Altgrubengerber, wenn nach über einem Jahr in den Gerbgruben ein Leder von höchster Qualität und Zähigkeit zum Vorschein kam. Auf den Sohlen von Dinkelacker-Herrenschuhen zeugt der Stempel der vielfach ausgezeichneten Sohlengerberei Rendenbach von dieser außerordentlichen Güte.

Dekorativ und schützend: Messingstifte & Boulevardeisen

Die für die Schuhmodelle von Heinrich Dinkelacker charakteristischen Messingstifte werden ebenso wie das massiv eingelassene Boulevardeisen der dreifachsohligen Modelle von Hand eingearbeitet. Beides sieht nicht nur schön aus, es bietet zudem einen wirksamen Schutz vor Abrieb.

Die ganz hohe Kunst des Sohlenmachens stellt sich beim Rio-Leisten dar. Die einzigartige Dreifachsohle mit aufwendiger 6er-Nagelung und Messingspitze findet man so nur noch bei Dinkelacker.

Mit dieser Sohle beweist der Träger wahren Sinn für handwerkliche Spitzenleistung und gibt sich beim Übereinanderschlagen der Beine im Café, wenn die sonst verborgene Sohle kurz aufblitzt, als wahrer Experte zu erkennen.

Bei Herrenschuhen der gehobenen Klassen erfüllen Absatz und Sohle eine eminent wichtige Funktion: Sanft federn sie beim Abrollen des Fußes die Stöße ab. Sohle und Absatz werden daher Lederschicht für Lederschicht aufgebaut und miteinander verklebt. Für einen komfortablen Auftritt verwendet der Schuhmacher außerdem ein weiches Korkstück, das – je nach Bodenausführung – von der Zwischen- und Laufsohle eingeschlossen wird und sich später der persönlichen Fußphysiognomie des Trägers anpasst.

Perfektion bis zum letzten Schritt

Viel Feingefühl, eine ruhige Hand und ein konzentrierter Blick sind nötig, wenn der Schuhmacher mit einem rasierklingenscharfen Messer das überstehende Leder an der Absatzfront abschneidet und diese anschließend mit einer Glasscherbe glättet. Auch die Sohlenkante bearbeitet er nochmals mit einem flachen Messer. Nach diesem „Ablassen“ erhält die Sohle ihren letzten Schliff beim „Bimsen“ mit feinem Schleifpapier. Nun kann die Sohle eingefärbt und mit einer Wachsfarbe poliert werden.

Beim abschließenden Finish wird an die Laufsohle letzte Hand angelegt und eine hochwertige Wachscreme aufgetragen. Der Sohlenstempel zeichnet den Schuh als echten Dinkelacker aus.

Jeder fertige Schuh bekommt nach der Kontrolle eine Prüfzahl und wird nach Abnahme auf der Innenseite des Schuhs gezeichnet. Mit seiner Signatur bürgt der Schuhmachermeister für die Qualität seiner Arbeit.